Stolpersteine in Ebersheim

Am Montag, 29. August 2011, verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig „Stolpersteine“ in Mainz-Ebersheim. Die „Stolpersteine“ erinnern an die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die noch bis zur Reichspogromnacht 1938 in Ebersheim lebten. An jenem 9. November wurde die Ebersheimer Synagoge in Brand gesetzt, man suchte die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger in ihren Häusern und Wohnungen auf, schüchterte sie ein, zerstörte und verbrannte das Inventar ihrer Wohnungen. Nach diesen Ereignissen blieb ihnen nichts anderes übrig, als Ebersheim zu verlassen und sich in die sog. Judenhäuser nach Mainz zu flüchten. Von dort wurden sie ein paar Jahre später, 1942, deportiert, was ihre Vernichtung bedeutete. Die Ebersheimer Jüdinnen und Juden, für die jetzt 70 Jahre später diese „Stolpersteine“ verlegt werden, wurden mit den beiden großen Mainzer Sammeltransporten über Darmstadt in das Transitghetto nach Piaski in Polen (März 1942) bzw. Theresienstadt in der Tschechoslowakei (September 1942) deportiert. Dort wurden sie ermordet oder kamen durch andere lebensvernichtende Umstände zu Tode.

Die Verlegung der „Stolpersteine“ für die Opfer des Nationalsozialismus erfolgt an dem Ort, an dem die Menschen ihren letzten freigewählten Wohnsitz hatten. Wenn „Stolpersteine“ mit den Namen, dem Geburtsdatum und soweit bekannt dem Todesort und Todesdatum
in den Ebersheimer Straßen verlegt werden, dann entreißen wir diese Menschen dem Vergessen. Sie, die nicht einmal ein Grab haben, kehren namentlich zurück an den Ort, an dem sie einen großen Teil ihres Lebens als Einwohner des Dorfes Ebersheim verbracht haben. Sie, die vom Nazifaschismus ermordet und vernichtet wurden, erhalten einen bescheidenen Ort in der Mitte des Lebens zurück. Wir erinnern uns an die Menschen und geben ihnen ein wenig ihrer Würde zurück. Es gibt keine Versöhnung mit den Opfern, aber es gibt die Verantwortung, sich zu erinnern, dessen zu gedenken, was auch hier in der dörflichen Idylle geschah.

„Stolpersteine“ sind 10x10 cm große Betonwürfel. Auf der Oberseite ist eine Messingplatte verankert, in die der Name eines Opfers des Nationalsozialismus mit Geburts- und Todesdatum eingraviert ist. Sie erinnern an die Vertreibung und Ermordung der Juden, der Sinti und Roma, der Homosexuellen, der politisch Verfolgten (Kommunisten, Sozialdemokraten u.a.), der Zeugen Jehovas, der Behinderten und aller sonstigen Opfer des Nazi- Faschismus (www.stolpersteine.com).

(Quelle: Flyer zur Verlegung der Stolpersteine (C) 2011 Dr. Marion und Dr. Herbert Poensgen)

Folgende Stolpersteine wurden verlegt:

- Römerstraße am Weinbrunnen

  • BERNHARD GOLDSCHMIDT, Jahrgang 1869, 1942 deportiert nach Theresienstadt, tot 25.5.1943
  • SARA GOLDSCHMIDT, Jahrgang 1872, 1942 deportiert, tot in Theresienstadt

- Römerstr. 25

  • SOPHIE BERNEY, Jahrgang 1861, 1942 deportiert nach Piaski, Todesdatum unbekannt

- Konrad-Adenauer-Str. 8

  • NATHAN GOLDSCHMITT, Jahrgang 1879, 1942 deportiert nach Piaski, Todesdatum unbekannt
  • MATHILDE GOLDSCHMITT geb. METZGER, Jahrgang 1893, 1942 deportiert nach Piaski, Todesdatum unbekannt
  • HILDEGARD GOLDSCHMITT, Jahrgang 1927, 1942 deportiert nach Piaski, Todesdatum unbekannt

- Schulrat-Spang-Str. 2

  • LEOPOLD GOLDSCHMITT, Jahrgang 1858, 1942 deportiert nach Theresienstadt, tot 23.10.1942
  • ISAAK GOLDSCHMITT
  • NELLY GOLDSCHMITT, Jahrgang 1893, 1942 deportiert nach Piaski, Todesdatum unbekannt

- Neugasse 38-40

  • ROSALINE GOLDSCHMITT, Jahrgang 1890, 1942 deportiert nach Theresienstadt, tot 31.3.1944
  • LAZARUS GOLDSCHMITT, Jahrgang 1869, Opfer des Pogroms 1938, Heimatort unfreiwillig verlassen 1938 nach Mainz, tot 20.5.1940

 

Artikel in der Allgemeinen Zeitung am 30.8.2011

Fotos von der Verlegung der Stolpersteine